Ganz weit daneben ODER Vorwärts in die Vergangenheit

Das ging natürlich in die komplett falsche Richtung. Und ja, es war für einen Marktkenner vorauszusehen. Der Mietendeckel wird wirken, aber in einer komplett falschen Struktur. Da der Mietendeckel für die nächsten fünf Jahre ganz Berlin umfasst, trifft er natürlich auch alle Bezirke. Dabei wurde übersehen, dass die hochpreisigen ebenso betroffen sind wie die günstigen. Das heißt, in den teuren Bezirken, in denen viele Menschen wohnen, die sich hohe Mieten auch leisten können, sinken diese ebenfalls. Und zwar überproportional gegenüber den anderen Bezirken!

Mit anderen Worten, Besserverdiener, die eine höhere Miete haben, profitieren stärker von der Deckelung als die schlecht Verdienenden, die ohnehin in den Bezirken leben, in denen die Mieten nur geringfügig über der vorgeschriebenen Obergrenze von 9,80 €/m² (ohne Aufschläge) liegen. Während in Prenzlauer Berg die Differenz mit 8,79 €/m² eine der höchsten ist, fällt sie in Marzahn mit 1,40 €/m² relativ gering aus.

So ermittelte Immoscout24: „Ein Paar in Mitte oder Prenzlauer Berg könnte bei einer sanierten 100-Quadratmeter-Wohnung im Schnitt etwa 300 Euro pro Monat sparen, eine Kleinfamilie in Marzahn mit einer gleich großen Wohnung in einem unsanierten 80er-Jahre-Plattenbau nur 50 bis 100 Euro.“

Ob man zu seinem Recht kommt, ist allerdings noch die Frage. Knapp 95 Prozent aller in Berlin von Anfang 2019 bis Mitte Januar 2020 angebotenen Mietwohnungen (ohne Neubau ab 2014) lagen über den zukünftig durch den Mietendeckel geltenden Grenzwerten. Die Ämter werden bei diesem Ansturm klar überfordert sein – der Wahnsinn ist vorprogrammiert.

Zur Sinnhaftigkeit dieser Regelung, die leistbaren Wohnraum schaffen soll, ist nichts mehr hinzuzufügen.

Doch, eines: Was den Erhaltungszustand der Häuser in der Zukunft betrifft, werden wir wohl wieder in die Zeiten vor der Wende zurückkehren.



Schreibe einen Kommentar