Mietendeckel Berlin zeigt erste Auswirkungen

Seit dem 23. Februar ist das Gesetz zur Mietenbegrenzung, wie der Mietendeckel offiziell heißt, in Kraft. Auf diese Weise wollte der Senat dem drastischen Mietanstieg in Berlin Einhalt gebieten. Ob das tatsächlich gelungen ist, bleibt umstritten. Seit der Einführung ist auf dem Berliner Wohnungsmarkt jedoch einiges geschehen.

Die Angebotsmieten von betroffenen Wohnungen sind innerhalb eines Jahres um acht Prozent gesunken, stellt das Wohnungsportal Immowelt nach Auswertung der eigenen Inserate fest. Der unerfreuliche Nebenaspekt: Laut ImmoScout24 hat sich das Angebot an Mietwohnungen im Jahresvergleich um 28 Prozent verringert. Zahlreiche Wohnungen wurden von den Eigentümern im Bekanntenkreis vermietet oder gleich verkauft.

Bei rund 80 Prozent aller neuen Mietverträge werden nach den Beobachtungen des Berliner Mietervereins zwei Mieten vereinbart: eine mietendeckelkonforme Miete und eine hohe Miete. Diese ist zu zahlen, falls der Deckel verfassungswidrig ist oder das Gesetz ausläuft. Da für die hohe Miete zumeist auch keine Mietpreisbremse angenommen wird, liegen oft große Differenzen von bis zu 100 Prozent zwischen den beiden Mietforderungen.

Die meisten der 1,5 Millionen Wohnungen, die unter den Mietendeckel fallen – vor allem Altbauten in begehrten Innenstadtlagen –, sind oft teurer vermietet, als es der Deckel erlaubt. Hier droht eine Absenkung der Mieten ab November, wobei sich die Frage stellt, wie schnell die jeweiligen Anträge von den zuständigen Stellen abgearbeitet werden können.

Auf Mieterseite profitieren in weiten Teilen die Bewohner überdurchschnittlich guter Lagen, die sich die Miete ohnehin leisten können. Auf wirtschaftlich schwächere Mieter in durchschnittlichen bis einfache Lagen haben die Mietabsenkungen jedoch keinen ausreichenden Effekt. Auf die Vermieter sehr wohl: Laut einer Umfrage von Rueckerconsult werden vor allem kleine Vermieter durch den Mietendeckel wirtschaftlich unter Druck geraten. Damit zeichnen sich auch die langfristigen negativen Folgen für die Substanz der Immobilien ab: Fast 78 Prozent der Vermieter wollen bei der Modernisierung und Sanierung sparen.

Das traurige Fazit: Auf beiden Seiten gibt es offensichtlich mehr Verlierer als Gewinner.

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